Trio 21

Hanna-Maria Schlage freut sich über die Ehrung durch Joachim Speicher

Hanna-Maria Schlage freut sich über die Ehrung durch Joachim Speicher

Bärbel, die Mutter von Hanna-Maria, beantwortet die Fragen zu Trio21:

Die Idee in drei Worten/Sätzen…
Inklusions-WG: Menschen mit und ohne Handicap leben …
– eigenständig
– selbstbestimmt und
– gleichberechtigt miteinander.

Was ist das Ziel?
Das Ziel ist, noch weitere solcher Wohngemeinschaften zu gründen und Interessierten beratend zur Seite zu stehen, wie eine solche WG umgesetzt werden kann.

Wie seid ihr auf die Idee für Trio21 gekommen?
Wir aus verschiedenen Gründen aus Hamburg aufs Land nach Niedersachsen gezogen. Da es sich um das Elternhaus von ihr und ihren Schwestern handelt, taten wir uns schwer es, zu verkaufen und deswegen vermieten wir es. Es war geplant, dass Hanna-Maria morgens mit dem Metronom nach Hamburg hinein fahren würde, um so zur Arbeit zu gelangen. Der Metronom machte uns auf Grund seiner Unzuverlässigkeit einen Strich durch unsere Pläne. Also fuhren wir Hanna Maria morgens mit dem PKW nach Hamburg und holten sie abends dort wieder ab. Auf diesen Fahrten unterhielten Hanna-Maria und ich uns sehr viel. Es stellte sich heraus, dass Hanna-Maria gerne in Hamburg in ihrem Elternhaus wohnen würde. Sie hatte erlebt, wie ihre Schwestern in WGs lebten und hatte für sich entschieden, so auch leben zu wollen. Eine ambulante und stationäre Wohngruppe kam für sie nicht in Frage. Zitat Hanna-Maria: „Dort sind alle behindert, alle schreien sich an und streiten sich, ich kann nicht nach Hause (Familie) wann ich will.“ Hanna-Maria hatte dies bei Besuchen von Freundinnen in Wohngruppen so erlebt. Wir haben innerhalb der Familie viel miteinander gesprochen und kamen zu dem Entschluss, dass wir das Experiment WG versuchen würden.
Die WG steht….und läuft gut, Hanna-Maria fühlt sich wohl und ist glücklich dort.

Was habt ihr bisher diesbezüglich unternommen bzw. erreicht?
Die erste WG steht.

Was war bedeutsam für die Umsetzung?
Bedeutsam war Hanna-Marias Wunsch nach Normalität.

Welche Stolpersteine gab es? An welchem Punkt wolltet ihr auch mal den Kopf in den Sand stecken?
Stolpersteine sind die mangelnde Umsetzung der UN-BRK in der Bundesrepublik. Hanna-Maria hat einen Antrag auf Assistenz im Arbeitgebermodell gestellt; diesem zu entsprechen ist von der Stadt Hamburg bzw. ihren Behörden abgelehnt worden. Als vorübergehende Alternative haben wir ein Zimmer gegen Assistenzleistung angeboten und haben auch einen jungen Mann gefunden, der jetzt Hanna-Maria im täglichen Leben assistiert. Dieses Modell führt dazu, dass Hanna-Maria nur an drei Tagen in Hamburg sein kann und dass uns ein Teil der Miete fehlt, die aber für die Begleichung von Hypotheken benötigt wird.

Welche Eigenschaften und Stärken helfen euch, die Idee von Trio21 weiter fortzuentwickeln?
Der Zusammenhalt der Familie und der Wille beziehungsweise die Entschlossenheit, Hanna-Maria und damit anderen Menschen mit Handicap ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Rückenwind und auch Inspiration erhalten wir von der UN-BRK.  Wir glauben, dass die herkömmlichen Wohngruppen Auslaufmodelle sind; gerade die jungen Menschen der neu heranwachsenden Generation mit Down Syndrom sind heute schon deutlich selbstbewußter und werden die ihnen in der UN-BRK zugesichterten Rechte einfordern. Dazu gehört eben auch das Recht, seine Wohnform selbst zu wählen. Hanna-Marias WG, so hoffen wir, wird sicherlich ein wichtiger Schritt sein, um sich eigene Wohnformen zu erträumen und zu erkämpfen und wird somit Vorbildcharakter haben.

Welche weiteren konkreten Ideen zur Umsetzung gibt es bereits?
Da die Idee der WG steht und umgesetzt worden ist, liegt uns jetzt am Herzen, einen Sponsorenring zu finden bzw. zu entwickeln, um ein Gehalt aufbringen zu können, damit mindestens eine Assistenzkraft mit einem Gehalt vergütet werden kann. Uns ist sehr daran gelegen, dass das Haus, in dem die WG lebt, dem Verein Trio21 übertragen werden kann, damit zum einen das Haus dauerhaft für die Zukunft der WG zur Verfügung steht; zum anderen stellen wir uns vor, dass das Haus unter der Selbstverwaltung der WG stehen wird. Dafür sind Spendengelder nötig, damit das Haus vom Verein gewissermaßen gekauft werden kann.

Wo seht ihr das Projekt in fünf Jahren?
Zwei weitere WGs mit unterschiedlichen Motti und die WG in HH-Langenhorn sind unter der Selbstverwaltung der WGs. Wir haben die Assistenz im Arbeitgebermodell erfolgreich durchgeklagt und damit anderen Menschen mit Down Syndrom die Möglichkeit geschaffen, es Hanna-Maria gleichzutun.