Die Hundebande

PARI INNO Plakat Hundebande

Die Hundebande organisiert eine neunmonatige Grundausbildung von Welpen zu Blindenführhunden durch weibliche Strafgefangene – und verbindet so die Herausforderungen zweier Lebenswelten auf neue Art miteinander: Perspektiven für Menschen im Strafvollzug und die Bedürfnisse blinder Menschen.

Neun Monate lang teilen sich die Frauen mit den Hundewelpen Haftraum und Haftalltag, sind 24h am Tag für sie verantwortlich, erziehen, pflegen und trainieren die Hunde. Zusätzlich finden Schulungen mit Führhundtrainerinnen statt.

Die Frauen übernehmen Verantwortung, freuen sich an Erfolgen, überstehen Rückschläge und agieren zum Wohle der Tiere miteinander statt gegeneinander. Außerdem erfahren die oft traumatisierten Frauen durch die bedingungslos liebenden Welpen einen ungeheuren emotionalen Zuspruch. Wichtige Erfahrungen, die sich in den Alltag übertragen und die gesamte Atmosphäre im Strafvollzug verbessern.

Initiatorin und treibende Kraft der Hundebande ist die Sozialpädagogin Manuela Maurer. Verantwortlich für die fachliche Leitung ist die renommierte Hundetrainerin Nadja Steffen, im Blindenverband seit Jahren für ihre tadellos ausgebildeten Führhunde bekannt.

 

Wie aus Welpen hervorragende Blindenhunde werden und aus weiblichen Strafgefangenen verantwortungsvolle Ausbilderinnen

Deutschland braucht jährlich 250 bis 300 neue Führhunde. Mit den wachsenden Anforderungen an die Mobilität und Flexibilität blinder und sehbehinderter Menschen wachsen auch die Anforderungen an die Führhunde. Sie sollen belastbar, im Straßenverkehr stets führfähig und charakterlich einwandfrei sein.

Einen Blindenhund auszubilden kostet Zeit, Geld, Geduld und Liebe. Um die Hunde schon frühzeitig auf ihre Aufgaben vorzubereiten, hat sich ein Patenprogramm mit ehrenamtlichen Helfern etabliert. In Zusammenarbeit mit professionellen Hundetrainern werden die Tiere in der Familie sozialisiert, ausgebildet und an die Schwierigkeiten des Alltags gewöhnt. Verkehr, Gerüche, Hektik, Gedränge, all das müssen die Welpen zu bewältigen lernen. Aber obwohl die Patenfamilien sehr sorgfältig ausgesucht werden, führen oft unbeabsichtigte Lernerfahrungen dazu, dass nur jeder dritte bis vierte Hund nach Ablauf eines Jahres für die Ausbildung zum Blindenhund geeignet ist. Um den Bedarf aber annähernd decken zu können, werden auch die aufgenommen, die oft nicht geeignet sind. Ein unzureichend ausgebildeter Führhund ist jedoch für den Blinden eine zusätzliche Behinderung und sogar lebensgefährlich.

„Hundebande“ ist ein Projekt, das diesen Mangel beheben will, indem weibliche Strafgefangene zu großen Teilen die Aufgaben der Patenfamilien übernehmen. Eine große „Patenfamilie“, die situationsbedingt über unendlich viel Zeit für die Tiere verfügt. Die Frauen lernen von den Hunden und umgekehrt.

Durch das Projekt können zusätzliche Hunde für die Ausbildung zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig leistet das Projekt einen Beitrag zur Resozialisierung Strafgefangener. Und mit der effizienten und zielgerichteten Aufzucht liefert es Voraussetzungen, dass blinde und sehbehinderte Menschen gut ausgebildete Führhunde erhalten.

 

Die Bilder zum Making of des Fotoshootings